Promotion

Wer später gerne in der Forschung, Entwicklung oder Lehre arbeiten möchte, für den ist eine Promotion obligatorisch. Besonders im Bereich der Naturwissenschaften und Mathematik setzen viele Arbeitgeber einen Doktortitel voraus.

Ein Doktortitel bietet beste Voraussetzungen für eine Karriere in der Medizin und Forschung sowie in der Finanz- und Beratungsbranche. Hier hat die Dissertation noch immer ein hohes Ansehen. Sie ist ein Zeichen von Glaubwürdigkeit und Seriosität und vermittelt dem Kunden Kompetenz – eine Eigenschaft, die sich viele Firmen gut bezahlen lassen.

Tatsächlich setzen zahlreiche Banken, Unternehmensberatungen und Rechtsanwaltskanzleien auf diesen Effekt, weshalb sie promovierte Kandidaten besonders gerne für repräsentative Aufgaben rekrutieren. Das bedeutet: Ohne einen Doktortitel hat man in diesen Tätigkeitsfeldern keine Chance auf einen Karrieredurchbruch.

Lohnt sich eine Dissertation?

In anderen Fachbereichen ist die Dissertation zwar keine Einstellungsvoraussetzung, aber eine lohnende Investition: Laut einer Studie der Hans-Böckler-Stiftung verdienen Berufseinsteiger mit Doktortitel pro Monat im Schnitt 800 Euro mehr als ihre Kollegen mit Masterabschluss.

Aber: Nicht in allen Fällen ist eine Dissertation sinnvoll! Im Mittelstand kann ein Doktortitel sogar hinderlich sein. Für viele Personalchefs sind Promovierte schlichtweg überqualifiziert und damit zu teuer.

Daher solltest du dich immer fragen: Will ich promovieren? Wenn ja, warum? Welchen Nutzen habe ich davon? Welchen Mehrwert biete ich meinem Arbeitgeber? Profitiert er von meinem Fachwissen? Kann ich die Fähigkeiten, die ich während der Promotion erlerne, im Beruf einsetzen?

 

Wichtigste Voraussetzungen

Die Motivation ist ein ganz entscheidender Faktor: Wenn diese nur aus dem Wunsch nach einem Titel besteht, ist das Vorhaben meist schon zum Scheitern verurteilt. Man sollte ein derartiges Projekt nicht aus reinem Geltungsbedürfnis angehen. Wichtig ist, dass du dich wirklich für das Forschungsthema interessierst, denn nur so kannst du dich intensiv mit der Dissertation beschäftigen.

Außerdem erfordert eine Promotion viel Leistungsbereitschaft, Selbstdisziplin und Durchhaltevermögen. Man muss einen starken Willen besitzen, um nicht doch frühzeitig aufzugeben.

 

Das richtige Dissertationsthema

Da sich die Promotion über einen längeren Zeitraum erstreckt, ist die Wahl des richtigen Themas entscheidend. Es ist sicher von Vorteil, wenn du eine Fragestellung bereits während des Studiums bearbeitet hat und dieses nun vertiefen kannst. Gleichzeitig sollte das Thema von Relevanz sein – für die Beschäftigung, die du später ausüben möchtest.

Bevor du dich endgültig für ein Thema entscheidest, solltest du Rücksprache mit deinem Professor/in halten. Sinnvoll ist ebenfalls, die eigenen Gedanken zu strukturieren und eine vorläufige Gliederung zu erstellen. Auf diese Weise lässt sich absehen, ob die gewählte Aufgabe ausreichend Stoff bietet und interessant genug ist, um viel Zeit zu investieren.

 

Welche Modelle gibt es?

Traditionelles Promotionsmodell

Aktuell promovieren rund 90% der Nachwuchswissenschaftler nach dem traditionellen Promotionsmodell. Bei diesem Modell promoviert man an einer Fakultät und wird individuell von einem Professor (Doktorvater) oder einer Professorin (Doktormutter) betreut.

Strukturiertes Promotionsprogramm

Bei der strukturierten Promotion sind die Doktoranden in ein Ausbildungsprogramm eingebunden. Das heißt: Eine Gruppe Doktoranden forscht zu einem Themenschwerpunkt und wir dabei von mehreren Wissenschaftlern betreut. Die Dauer der Promotion ist im Allgemeinen auf drei Jahre begrenzt. Die bekanntesten Anlaufstellen sind die Graduiertenkollegs der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), die an verschiedenen Universitäten angesiedelt sind. Strukturierte Programme gibt es aber auch an außeruniversitären Einrichtungen, beispielsweise an der Max Planck Research School und den im Rahmen der Exzellenzinitiative eingerichteten Graduiertenschulen. Zudem bieten zahlreiche Hochschulen eigene Promotionsprogramme an.

Kumulative Promotion

Eine Doktorarbeit muss nicht immer ein dickes Buch sein. Bei der kumulativen Promotion schreibt man seine Dissertation nicht am Stück, sondern unterteilt sie in mehrere Abschnitte. Diese werden separat in einer Fachzeitschrift veröffentlicht. Der Vorteil ist, dass man bereits früh eine Publikation vorweisen kann. Allerdings ist die kumulative Promotion nicht unumstritten, weshalb das Begutachtungsverfahren langwierig ist.

 

Möglichkeiten der Finanzierung

Viele Doktoranden finanzieren ihre Promotion über eine wissenschaftliche Mitarbeit am Lehrstuhl des betreuenden Professors. Diese beinhaltet unter anderem die Übernahme von Lehrveranstaltungen. Allerdings werden nur selten ganze Stellen vergeben, zumeist erhält man eine halbe Stelle und einen zeitlich befristeten Vertrag. Drei Jahre reichen in der Regel aber nicht aus, um eine Promotion abzuschließen, deshalb muss man sich darauf einstellen, immer wieder neue Geldquellen zu suchen.

Eine weitere Möglichkeit sind Stipendien – diese werden von den Begabtenförderungswerken, den Wissenschaftsministerien eines Landes, dem Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) oder der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) über eine Promotionsstelle an einem Graduiertenkolleg oder einer Graduiertenschule vergeben. Die Bewerbungskriterien können unterschiedlich sein, jedoch werden in fast allen Fällen überdurchschnittliche Studien- und Prüfungsleistungen und gesellschaftliches Engagement vorausgesetzt. Außerdem soll das wissenschaftliche Vorhaben einen bedeutsamen Beitrag zur Forschung erwarten lassen.

Ein dritter Weg ist die Anstellung in einem Unternehmen. Es sichert eine regelmäßige und ausreichende Bezahlung, bietet interessante Untersuchungsthemen für die Doktorarbeit und erleichtert später den beruflichen Einstieg. Allerdings birgt diese Finanzierung besondere Herausforderungen. Man sollte sich daher vorher fragen, ob man der Doppelbelastung gewachsen ist und ob es einem in den nächsten Jahren gelingt, Freiräume für die Dissertation zu schaffen.

 

Die richtige Bewerbung an einer Graduiertenschule

Eine sorgfältig zusammengestellte Bewerbung ist unerlässlich, will man einen Promotionsplatz an einer Graduiertenschule ergattern.

Die Anforderungen sind zwar von Graduiertenschule zu Graduiertenschule unterschiedlich, dennoch gibt es einige Dinge, die in der Bewerbung nicht fehlen sollten: Dazu gehört ein Anschreiben, das Hochschulzeugnis, ein Motivationsschreiben, ein Exposé des Dissertationsprojekts sowie ein tabellarischer Lebenslauf.

Der Lebenslauf sollte folgende Bausteine enthalten: Informationen zum Studium, ein Publikationsverzeichnis, eine Liste bisher erhaltener Auszeichnungen (Preise, Stipendien etc.) sowie Details zu Praktika und Berufserfahrung. Einige Graduiertenschulen legen außerdem besonderen Wert auf soziales Engagement. Lese dir daher vorher genau die Stellenschreibung durch und passe deine Bewerbung entsprechend an.

Kernstück der Bewerbung ist sicher das Motivationsschreiben. Es sollte deiner Bewerbung einen persönlichen Charakter verleihen, die Highlights deines Lebenslaufs herausstellen und dein Forschungsinteresse definieren. Zudem solltest du im Motivationsschreiben deine Zukunftspläne und Erwartungen an die Graduiertenschule erläutern.

Das Exposé sollte ca. sechs bis zehn Seiten enthalten. Im besten Fall zeigt es deine fachlichen Kompetenzen und deine intensive Vorbereitung der anstehenden Promotion.

Fazit: Wer die richtigen Voraussetzungen mitbringt und vom Lebenslauf über die Projektskizze bis zum Motivationsschreiben alles perfekt ausarbeitet, hat gute Aussichten am Ende zu den Auserwählten zu gehören.

 

Wie minimiert man das Risiko, am Ende doch aufzugeben?

Eine entscheidende Rolle für die Zufriedenheit spielt eine finanzielle Sicherheit, sowie eine gute Betreuungssituation. Du solltest dich in jeder Situation gut aufgehoben fühlen und dein/e Professor/in bzw. die betreuenden Wissenschaftler sollten dich durch jede Schaffenskrise begleiten.

Wenn man nach dem traditionellen Promotionsmodell promoviert, kann es hilfreich sein, eine Promotionsvereinbarung abzuschließen, die klar regelt, welche Rechte und Pflichten der Doktorand und sein Betreuer haben.

Ein regelmäßiger Austausch und die Teilnahme an Kursen, beispielsweise zu Zeitmanagement und Selbstorganisation, sind ebenfalls wichtige Faktoren.

Außerdem sollte man sich der hohen Belastung bewusst sein, die teilweise durch die Aufnahme einer Tätigkeit neben der Promotion noch verstärkt wird. Es ist sinnvoll, sich im Vorfeld mit anderen Doktoranden auszutauschen und an Informationsveranstaltungen für Promotionsinteressierte teilzunehmen.

Hier findest du außerdem einige Buchtipps, die alle wichtigen Themen zur Promotion noch einmal aufgreifen:

Weiterführende Informationen zur Promotion kannst du auf folgenden Seiten finden:

 

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