Auslandssemester

Du möchtest einen Teil deines Studiums im Ausland absolvieren? Eine gute Entscheidung! Denn ein Auslandssemester ist eine spannende Erfahrung und im Gegensatz zum Vollstudium leichter zu organisieren.

Ein Auslandssemester bietet dir die Möglichkeit, internationale Kontakte zu knüpfen, deine Fremdsprachenkenntnisse zu verbessern und dein Studium aus einer anderen Perspektive zu beleuchten. Das ist nicht nur eine spannende Erfahrung für dich selbst, sondern du eignest dir auch Fertigkeiten an, die für das spätere Berufsleben enorm wichtig sind: Motivation, kommunikative Fähigkeiten, Teamfähigkeit und das Verhalten in Konfliktsituation.

Du solltest dir im Vorfeld überlegen, ob es für dich ausreichend ist ein oder zwei Semester im Ausland zu studieren oder ob du dein gesamtes Studium in einem anderen Land absolvieren möchtest.

Ein Auslandssemester erfolgt in den meisten Fällen nach einem Jahr – das hat den Vorteil, dass du bereits Erfahrung mit dem Hochschulwesen gemacht und Grundkenntnisse des Studiums erworben hast. Es wird dir leichter fallen, dich in die Lehrveranstaltungen an der Partneruniversität einzubringen und mit möglichen Problemen umzugehen.

Welche Möglichkeiten gibt es?

Wenn du dich für ein Auslandssemester entschieden hast, führt der einfachste Weg in der Regel über ein Austauschprogramm der eigenen Hochschule. Die Akademischen Auslandsämter können dir in vielen Fällen direkt einen Platz an einer Partneruniversität vermitteln.

Eine weitere Option ist das Hochschulprogramm Erasmus – eine Initiative der Europäischen Union zum internationalen Bildungsaustausch. Interessierte Studenten können zwischen sechs Monaten und ein Jahr an einer Universität in Europa studieren – vorausgesetzt, die eigene Hochschule hat ein Kooperationsabkommen mit der Partneruniversität unterzeichnet. Die Studienleistungen werden dank des European Credit Transfer Systems (ECTS) anerkannt. Beim Akademischen Auslandsamt erfährst du, ob deine Universität am Erasmus-Programm teilnimmt und mit welchen Hochschulen Partnerschaften bestehen. Voraussetzung für die Teilnahme sind die Staatsangehörigkeit eines Landes der Europäischen Union bzw. eine entsprechende Aufenthaltsberechtigung, der Abschluss des ersten Studienjahres sowie hinreichende Sprachkenntnisse.

Du kannst natürlich auch als „Free Mover“ in Ausland gehen. In diesem Fall gibt es aber keine Betreuung im Gastland, das heißt du musst dich um alles selbst kümmern – von der Hochschulbewerbung über die Finanzierung bis hin zur Anerkennung der Studienleistung. Wenn du dich für diese Variante entscheidest, solltest du ein Urlaubssemester beantragen, damit sich die Studienzeit nominell nicht verlängert und du trotzdem ein paar Credit Points sammeln kannst.

 

Was muss ich bedenken?

Unabhängig davon, für welches Austauschprogramm du dich entscheidest, ist es empfehlenswert, Kontakt zu ehemaligen Studenten aufzunehmen oder deren Erfahrungsberichte zu lesen, um dich mit Anforderungen eines Auslandssemesters vertraut zu machen.

Beginne frühzeitig mit deinen Planungen, um die Anmeldefristen einzuhalten und alle geforderten Nachweise für eine Bewerbung zu erbringen. Vielleicht musst du eine Sprachprüfung ablegen oder benötigst ein Sprachzertifikat?

Wichtig ist auch, dass deine Studienleistungen anerkannt werden. Schließlich soll dich das Auslandssemester mit Blick auf deinen Karriereplan nicht nur persönlich, sondern auch beruflich weiterbringen. Informiere dich bei deiner Hochschule, ob du die im Ausland besuchten Kurse anrechnen lassen kannst.

 

Wie finanziere ich mein Auslandssemester?

Der wichtigste Punkt ist sicherlich die Finanzierung. Ein Auslandssemester kostet Geld und das will auch bezahlt werden. Wenn du am Erasmus-Programm teilnimmst, erhältst du einen „Mobilitätszuschuss“ von 300 Euro im Monat. Davon kann man zwar nicht leben, dafür entfallen die Studiengebühren und man wird während des Auslandsaufenthaltes individuell betreut: Viele Hochschulen helfen bei der Suche nach einer geeigneten Unterkunft, organisieren Einführungsveranstaltungen und Ausflüge. Zudem werden für weniger verbreitete Sprachen im Vorfeld des Auslandsaufenthalts kostenlose Sprachkurse angeboten.

Wenn du als „Free Mover“ ins Ausland gehst, musst du diese Dinge im Vorfeld selbst organisieren. Es obliegt dir, dich um ein Visum zu kümmern, falls die Einreise- und Aufenthaltsbestimmungen dies erfordern. Zudem solltest du dich mit der Wohnsituation vor Ort auseinandersetzen: Wie bekommst du eine Unterkunft? Wie hoch sind die Lebenshaltungskosten? Und zu Guter Letzt: Wie hoch sind die Studiengebühren und welche Versicherungen müssen abgeschlossen werden? Sicherlich kann dir die Hochschule, an der du dich bewirbst, in einigen Punkten weiterhelfen. Informationen zum Visum findest du auf der Homepage des Auswärtigen Amts.

Wenn die Eltern für die Kosten nicht aufkommen können oder die Ersparnisse nicht ausreichen, kannst du finanzielle Unterstützung beantragen: Neben zahlreichen Stipendien und Studienkrediten gibt es das Auslands-BAföG. Es wird wie das normale BAföG beantragt und da das Bewilligungsverfahren sehr langwierig ist, solltest du deinen Antrag fristgemäß stellen. Je nach dem Land, in dem du dein Auslandssemester absolvieren möchtest, musst du den Antrag an ein bestimmtes Amt richten – das Akademische Auslandsamt deiner Universität wird dir sicherlich die richtigen Ansprechpartner nennen können. Wird der Antrag auf das Auslands-BAföG gewährt, erhältst du eine monatliche Zuwendung, einen einmaligen Reisekostenzuschlag und eventuell eine Beihilfe zur Krankenversicherung. In einigen Fällen wird sogar ein Betrag von bis zu 4600 Euro für die Studiengebühren ausgezahlt.

Es lohnt sich!

Die 19. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks ergab, dass sich die Zahl der deutschen Studentinnen und Studenten im Ausland zwischen 2001 und 2008 von 53.400 auf 102.800 erhöht hat. Dennoch lohnt es sich, den Blick über den Tellerrand hinauszuwerfen und den Schritt ins Ausland zu wagen.

Ein Auslandssemester zu absolvieren, bedeutet neue Herausforderungen zu meistern. Du eignest dir die Fähigkeit an, mit schwierigen Situationen umzugehen und Konflikte zu lösen. Außerdem lernst du andere Menschen und ihre Kultur kennen und erwirbst die Kompetenz, auf landesspezifische Eigenschaften einzugehen. Überdies erfährst du mehr über dich selbst – es wird dir nach deinem Auslandsaufenthalt sicherlich leichter fallen, deine Stärken zu identifizieren und Schwächen in Leistungsfähigkeit umzuwandeln. Viele Unternehmen legen deshalb großen Wert auf Mitarbeiter, die etwas von der Welt gesehen haben.

Dr. phil. Dorothea Rüland ist Generalsekretärin des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD). Sie ist ebenfalls der Meinung, dass Auslandserfahrung für das Berufsleben unersetzlich ist und sagte in einem Interview mit Unicum: „Die Zeit im Ausland vermittelt interkulturelle Sensibilität, neues Wissen und oft auch zusätzliche Sprachkenntnisse. Viele von uns arbeiten in einem internationalen Kontext, da werden diese Erfahrungen immer wichtiger. In Zukunft gewinnen sie noch mehr an Bedeutung: Deutschland ist mit seiner starken Exportabhängigkeit darauf angewiesen, global zu agieren und braucht dafür entsprechend ausgebildete Akteure.“

 

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